Rebranding geplant? Vergesst eure Mitarbeiterfotos nicht
snaptosuit · 10. Juli 2026

Ein Rebranding ist ein grosses Projekt. Monatelang wird ueber Logos gestritten, ueber Farbwelten diskutiert, ueber die eine richtige Schriftart gerungen. Am Ende steht ein frischer, stimmiger Auftritt, auf den alle stolz sind. Und dann klickt jemand auf die Teamseite, und dort laecheln immer noch die alten Portraets aus der alten Welt.
Es passiert erstaunlich oft. Die Marke ist komplett erneuert, aber die Gesichter dahinter haengen noch in der Vergangenheit. Verschiedene Hintergruende, unterschiedliches Licht, Aufnahmen aus fuenf verschiedenen Jahren. Der neue Markenglanz endet abrupt genau dort, wo die Menschen anfangen.
Das vergessene Puzzleteil
Warum rutschen ausgerechnet die Mitarbeiterfotos so oft durch? Weil sie im Projektplan zwischen die Stuehle fallen. Das Designteam kuemmert sich um Logo und Website. Die Fotos gelten als Personalthema oder als etwas, das man spaeter noch schnell macht. Und spaeter wird dann sehr spaet.
Dabei sind Portraets ein zentraler Teil des Auftritts. Sie erscheinen auf der Website, in Angeboten, in Praesentationen, in E-Mail-Signaturen, auf LinkedIn und auf Messeausstellern. Kaum ein anderes visuelles Element taucht so oft und an so vielen Stellen auf. Wenn dieses Element nicht zur neuen Marke passt, bekommt der ganze schoene Relaunch einen Sprung.
Die unangenehme Wahrheit lautet: Ein Rebranding ist erst fertig, wenn auch die Gesichter mitgezogen sind. Alles andere ist ein halbes Rebranding, das an der sichtbarsten Stelle bricht.
Wenn die Farbwelt nicht mehr passt
Rebrandings aendern fast immer die Farbwelt. Aus einem kuehlen Blau wird ein warmes Terrakotta, aus streng und dunkel wird hell und freundlich. Das ist der Sinn der Sache. Nur wurden die alten Mitarbeiterfotos gegen die alte Farbwelt aufgenommen. Der graue Hintergrund von damals harmoniert ploetzlich mit gar nichts mehr.
Setzt die neue Website einmal Stueck fuer Stueck zusammen und schaut auf die Portraetreihe. Wenn jedes Foto einen anderen Hintergrund hat und keiner davon zur neuen Palette passt, wirkt die Teamseite wie ein Flickenteppich mitten in einem sonst aufgeraeumten Auftritt. Das Auge stolpert genau an dieser Stelle.
Hier steckt aber auch eine Chance. Ein Rebranding ist der perfekte Moment, um Portraets bewusst auf die neue Marke abzustimmen. Gleicher Hintergrundton, gleiches Licht, ein Stil, der die neue Farbwelt aufnimmt statt ihr zu widersprechen. Wenn ihr das ohnehin anfasst, macht es einmal richtig statt zweimal halb.
Alte Fotos verraten das Alter des Auftritts
Portraets altern schneller, als man denkt. Nicht die Personen, sondern der Stil der Aufnahme. Ein Foto verraet oft sein Jahrzehnt: an der Bildkoernung, am Weichzeichner, an der Pose, am Hintergrundverlauf, der irgendwann einmal modern war. Wer heute darauf schaut, spuert sofort, dass hier lange nichts passiert ist.
Das faellt auf euch zurueck. Eine Firma, die einen brandneuen Auftritt hinlegt, aber Portraets aus einer sichtbar anderen Zeit zeigt, wirkt widerspruechlich. Der eine Teil sagt „wir sind aktuell", der andere fluestert „hier hat sich ewig nichts getan". Genau dieser Widerspruch untergraebt die Botschaft, die das Rebranding eigentlich senden sollte.
Noch heikler ist der Fall, wenn manche Personen laengst nicht mehr im Unternehmen sind, aber noch auf der Seite stehen. Oder umgekehrt, wenn neue Kollegen fehlen, weil es nie ein passendes Foto gab. Beides erzaehlt dem Besucher, dass die Aussenwelt hier nur mit Verzoegerung ankommt.
So integriert ihr Portraets in den Relaunch
Der einfachste Rat ist der wirkungsvollste. Nehmt die Mitarbeiterfotos von Anfang an in den Projektplan auf, gleichberechtigt neben Logo und Website. Definiert einen festen Bildstil, sobald die neue Farbwelt steht. Legt fest, wie Hintergrund, Ausschnitt und Licht aussehen sollen, damit alle Portraets spaeter zueinander passen.
Denkt dabei nicht nur an die Menschen, die heute da sind. Legt gleich fest, wie neue Kollegen kuenftig fotografiert werden, damit die Einheitlichkeit nicht schon beim ersten neuen Gesicht wieder zerfaellt. Ein Auftritt lebt weiter, auch nachdem der Relaunch gefeiert wurde. Ohne klare Regel driftet der schoene neue Stil in wenigen Monaten wieder auseinander.
Und die gute Nachricht zum Schluss. Ein einheitlicher Portraetstil bedeutet heute nicht mehr zwingend ein grosses Shooting mit dem ganzen Team an einem Tag. Es gibt inzwischen studiofreie Wege, aus vorhandenen Aufnahmen stimmige, markengerechte Portraets zu erzeugen und den gleichen Stil auch fuer jedes neue Gesicht zu wiederholen. Damit bleibt euer frisch poliertes Rebranding an der wichtigsten Stelle konsistent, naemlich bei den Menschen.


