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Agenturen ruinieren starke Cases mit schwachen Teamfotos

snaptosuit · 14. Juli 2026

Es gibt einen Moment, der in fast jedem Pitch passiert und den kaum jemand bewusst wahrnimmt. Der potenzielle Kunde hat die Präsentation gesehen, die Cases sind stark, die Ideen sitzen. Dann scrollt er auf eurer Website zur Rubrik Team. Und dort, nach all dem Feuerwerk, warten körnige Handybilder mit Küchenlicht, halb abgeschnittene Köpfe und ein Gruppenfoto von der Weihnachtsfeier, auf dem drei Leute abgeschnitten sind. In dieser Sekunde bekommt die ganze schöne Fassade einen Riss.

Das ist bitter, weil es ausgerechnet Agenturen trifft. Also genau die Häuser, die anderen erklären, wie Marken wirken. Ihr verkauft Bildsprache, Konsistenz und den perfekten ersten Eindruck. Und dann zeigt ihr euch selbst so, als hätte es niemanden interessiert.

Der Schuster und seine Schuhe

Ich habe mit einigen Inhabern von Werbe- und Designagenturen gesprochen, und die Erklärung war fast immer dieselbe. Für Kunden wird alles bis auf den letzten Pixel poliert. Das eigene Team-Shooting aber wandert von Quartal zu Quartal, weil es ja nichts einbringt und weil man selbst der schwierigste Kunde ist. Nur stimmt das mit dem Nutzen nicht. Ein Interessent, der euch noch nicht kennt, prüft nicht eure Umsätze. Er prüft, ob er euch das Geld eures Kunden anvertrauen würde.

Und dieser Vertrauensvorschuss entsteht nicht über den Text. Er entsteht über Gesichter. Über die Frage, ob die Menschen hinter der Marke souverän wirken oder zusammengewürfelt. Wer selbst nicht durchhält, was er predigt, verliert an einer Stelle Glaubwürdigkeit, an der er sie am wenigsten verlieren dürfte.

Inkonsistenz ist schlimmer als Mittelmass

Jetzt kommt die eigentliche Wendung. Das grösste Problem ist selten, dass ein einzelnes Foto schlecht ist. Das grösste Problem ist der Bruch dazwischen. Der Creative Director wurde vom Profi im Studio abgelichtet, warmes Licht, perfekter Hintergrund. Die neue Praktikantin hat ihr Bild selbst geschossen, vor der weissen Bürowand, mit dem kalten Neonton von oben. Nebeneinander sieht das aus wie zwei verschiedene Firmen.

Ein Team wirkt professionell, wenn es aussieht wie ein Team. Gleiche Lichtstimmung, ähnlicher Hintergrund, vergleichbarer Bildausschnitt. Fehlt diese Klammer, liest der Betrachter unbewusst Hierarchie und Zufall heraus. Die einen wichtig, die anderen egal. Das ist Gift für eine Agentur, die sich als Kollektiv verkauft.

Denkt an das Gegenbeispiel. Ihr kennt diese Team-Seiten, bei denen ihr sofort spürt, dass da jemand nachgedacht hat. Nicht steif, nicht überinszeniert, aber aus einem Guss. Genau dieses Gefühl von Kontrolle ist es, was ein Kunde kaufen möchte, wenn er euch sein Budget gibt.

Der Pitch beginnt vor dem Pitch

Die meisten Agenturen glauben, der erste Eindruck entstehe im Meeting. In Wahrheit ist er längst gefallen. Der Entscheider hat euch gegoogelt, bevor er die Einladung annahm. Er hat sich das Team angeschaut, vielleicht das Impressum, vielleicht LinkedIn. Wenn dort schon alles stimmig war, sitzt er anders im Raum. Er ist vorgewärmt. Ihr müsst weniger beweisen.

Wenn dort aber Bruchstellen sichtbar waren, tragt ihr eine leise Skepsis mit euch herum, die niemand ausspricht. Ihr kämpft plötzlich gegen ein Gefühl an, das ihr euch selbst eingebrockt habt. Und das für ein paar Fotos, die euch nie wichtig genug waren.

Was ein starkes Team-Bild leisten muss

Ein gutes Business-Porträt ist kein Schönheitswettbewerb. Es muss nicht makellos sein, es muss stimmig sein. Der Blick klar und offen, die Haltung aufrecht ohne steif zu wirken, das Licht schmeichelhaft statt entlarvend. Vor allem aber muss es zum Rest passen. Ein Team, das zusammen auftritt, sollte auch zusammen aussehen.

Das heisst nicht, dass alle gleich lächeln müssen wie geklont. Persönlichkeit darf und soll durchkommen. Aber der Rahmen bleibt gleich. So entsteht dieser ruhige, professionelle Gesamteindruck, der beim Betrachter ankommt, ohne dass er ihn benennen könnte. Er denkt einfach, das wirkt seriös. Genau das ist das Ziel.

Der ehrliche Blick in den Spiegel

Nehmt euch fünf Minuten und öffnet eure eigene Team-Seite mit den Augen eines fremden Kunden. Nicht als Insider, der jedes Gesicht kennt und sich an die Umstände erinnert. Sondern als jemand, der euch heute zum ersten Mal sieht und in Sekunden entscheidet, ob er euch zutraut, seine Marke in die Hand zu nehmen. Seid ehrlich. Würdet ihr euch selbst beauftragen?

Die gute Nachricht ist, dass dieses Problem heute leicht zu lösen ist. Es braucht keine tagelange Produktion mehr, kein Studio, keinen Termin, an dem alle gleichzeitig frei haben. Moderne, studiofreie Wege erlauben es, aus vorhandenen Aufnahmen einen einheitlichen, professionellen Auftritt zu formen. Ihr müsst nur einmal die Entscheidung treffen, euch selbst so ernst zu nehmen wie eure Kunden. Denn wer starke Cases baut, sollte sie nicht am eigenen Türschild verlieren.