Softwarefirmen: Eure About-Seite braucht echte Menschen
snaptosuit · 16. Juni 2026

Eure Produktseite ist perfekt. Klare Sprache, saubere Illustrationen, ein durchdachtes Preismodell, vielleicht eine schicke Animation, die zeigt, wie eure Software funktioniert. Ihr habt Wochen daran gefeilt. Und dann gibt es diese eine Seite, die aussieht, als hätte sie niemand angefasst. Die About-Seite. Ein paar Zeilen über die Mission, ein Gründungsjahr, und wenn überhaupt ein Team, dann als lieblose Sammlung aus grauen Platzhaltern und zusammengesuchten Selfies.
Das ist ein Widerspruch, der auffällt. Denn gerade weil euer Produkt so abstrakt ist, so sehr aus Code und Cloud und Logik besteht, sucht der Besucher an einer Stelle nach etwas Greifbarem. Er sucht nach den Menschen dahinter. Und die About-Seite ist genau der Ort, an dem er sie finden will. Wenn er dort nur eine Leerstelle findet, entsteht eine Frage, die ihr nicht wollt. Wer steckt hier eigentlich dahinter?
Software ist unsichtbar, Vertrauen braucht Gesichter
Wer eine Software kauft, kauft etwas, das er nicht anfassen kann. Er kann es nicht in die Hand nehmen, nicht auf Verarbeitung prüfen, nicht im Regal begutachten. Er kauft ein Versprechen. Dieses Tool wird funktionieren, es wird meine Daten sicher verwahren, es wird auch in zwei Jahren noch da sein und gepflegt werden. Bei einem so unsichtbaren Produkt sucht der Käufer besonders intensiv nach Ankern, die ihm sagen, dass er richtig liegt. Und einer der stärksten Anker sind Menschen.
Das gilt im B2B-Bereich noch mehr als anderswo. Wenn eine Firma eine Software einführt, bindet sie sich für Jahre. Sie migriert Daten, schult Mitarbeiter, baut Prozesse darauf auf. Der Entscheider, der diese Wahl trifft, trägt ein Risiko. Er will wissen, mit wem er sich da einlässt. Nicht nur mit welchem Feature-Set, sondern mit welchen Menschen. Eine About-Seite mit echten, professionellen Gesichtern verwandelt eine anonyme Firma in eine Gruppe von Personen, denen man etwas zutraut. Sie senkt das gefühlte Risiko genau dort, wo es am höchsten ist.
Denkt an den Kontrast. Zwei Anbieter, gleiche Funktionen, ähnlicher Preis. Bei dem einen zeigt die About-Seite ein Team mit klaren, einheitlichen Portraits, man sieht Entwicklerinnen, Support-Leute, Gründer, alle mit Gesicht und Namen. Bei dem anderen steht nur ein Logo und ein Kontaktformular. Welchem Anbieter vertraut ihr eher eure Firmendaten an? Die Antwort kommt aus dem Bauch, und sie kommt schnell. Gesichter schaffen Vertrauen, das kein Feature-Vergleich ersetzt.
Wer eure About-Seite wirklich aufruft
Es lohnt sich, ehrlich zu fragen, wer sich überhaupt bis zur About-Seite durchklickt. Es sind nicht die zufälligen Besucher. Es sind die, die schon Interesse haben und jetzt genauer hinschauen wollen. Der Einkäufer, der vor einer Kaufentscheidung das Unternehmen prüft. Die Entwicklerin, die überlegt, ob sie sich bei euch bewerben soll und wissen will, mit wem sie arbeiten würde. Der Journalist, der einen Beleg für Seriosität sucht. Der Partner, der eine Integration erwägt.
Mit anderen Worten, die About-Seite wird ausgerechnet von den Menschen besucht, die kurz vor einer wichtigen Entscheidung stehen. Sie ist keine Durchgangsseite, sondern eine Prüfstelle. Und was diese Menschen dort vorfinden, beeinflusst direkt, ob aus Interesse ein Kauf, eine Bewerbung oder eine Partnerschaft wird. Es ist erstaunlich, wie viele Softwarefirmen ihre gesamte Sorgfalt in die Produktseite stecken und ausgerechnet diese entscheidende Seite verwaisen lassen.
Gerade für das Recruiting ist das ein unterschätzter Hebel. Gute Entwickler sind rar und wählerisch. Bevor eine Kandidatin sich bewirbt, schaut sie sich das Team an. Wirkt es einladend, sieht sie Menschen, mit denen sie gern zusammenarbeiten würde, entsteht Anziehung. Sieht sie einen Flickenteppich aus Platzhaltern, denkt sie unbewusst, hier läuft etwas nicht rund. In einem Markt, in dem ihr um jede Fachkraft konkurriert, kann diese leise Wirkung den Ausschlag geben.
Der Flickenteppich verrät eure Kultur
Schaut euch die typische Team-Sektion einer Softwarefirma an, und ihr seht oft dasselbe Muster. Die Gründer haben ordentliche Bilder, weil sie fürs Pitch Deck welche brauchten. Ein paar Entwickler haben Selfies aus dem Homeoffice, andere ein zugeschnittenes Foto von einer Konferenz. Bei mehreren fehlt das Bild ganz, es prangt nur ein Avatar mit Initialen. Und weil viele Software-Teams verteilt und remote arbeiten, hat nie jemand alle gleichzeitig vor eine Kamera bekommen.
Dieser Flickenteppich sagt dem Besucher etwas über eure Kultur, das ihr niemals bewusst kommunizieren würdet. Er sagt, hier gibt es keine gemeinsamen Standards, hier wurschtelt jeder für sich, hier steht Sorgfalt nicht ganz oben. Das ist besonders bitter, weil eure Kunden von eurer Software genau das Gegenteil erwarten, nämlich Sorgfalt, Ordnung und Verlässlichkeit bis ins Detail. Wenn schon der eigene Auftritt uneinheitlich ist, überträgt der Betrachter diesen Zweifel leise auf das Produkt.
Das Perfide daran ist, dass die einzelnen Bilder gar nicht schlecht sein müssen. Es ist die Uneinheitlichkeit, die schadet. Zwanzig solide Portraits im gleichen Stil wirken zusammen stärker und glaubwürdiger als fünf brillante Aufnahmen neben fünfzehn zusammengesuchten Schnappschüssen. Auf einer About-Seite entscheidet nicht das beste Einzelbild, sondern der Gesamteindruck. Und der Gesamteindruck eines gut geführten Software-Teams sollte Ruhe und Ordnung ausstrahlen, keine Beliebigkeit.
Was eine gute About-Seite braucht
Die Lösung ist keine Raketenwissenschaft, aber sie verlangt eine Entscheidung. Behandelt die About-Seite als das, was sie ist, nämlich einen Vertrauensbeweis. Das heisst zuerst echte Gesichter statt Platzhalter. Jeder im Team, der nach aussen sichtbar ist, sollte ein Bild haben. Es heisst Einheitlichkeit, also ein gemeinsamer Stil, ähnliches Licht, ruhiger Hintergrund, damit die Galerie als Ganzes stimmig wirkt. Und es heisst Aktualität, denn in schnell wachsenden Software-Teams kommt ständig jemand Neues dazu.
Genau diese Aktualität ist die eigentliche Herausforderung. Ihr stellt vielleicht jeden Monat jemanden ein, oft remote, verteilt über verschiedene Städte oder Länder. Der klassische Fototermin, der alle an einen Ort zwingt, funktioniert für euch schlicht nicht. Also blieb die About-Seite bei vielen Firmen ewig unvollständig, nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es keinen praktikablen Weg gab, die Lücke zu schliessen. Der neue Kollege in einer anderen Zeitzone wartete Monate auf ein Bild, das nie kam.
Hier liegt der eigentliche Fortschritt. Moderne, studiofreie Wege lösen das Logistikproblem, das die About-Seite so lange verwahrlosen liess. Jeder liefert ein einfaches Selfie, egal wo er sitzt, und daraus entsteht ein Portrait, das sich nahtlos in die gemeinsame Bildsprache einfügt. Der Neuzugang aus Lissabon passt zum Gründer in Zürich. Kein Termin, kein Bruch zwischen alt und neu. Für eine Branche, deren Produkt man nicht anfassen kann, ist die menschliche About-Seite kein Beiwerk. Sie ist der Ort, an dem aus abstraktem Code echtes Vertrauen wird.


