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Board-Mitglieder sollten nicht aus verschiedenen Fotoepochen stammen

snaptosuit · 7. August 2026

Es gibt eine Seite im Netz, die ueber euer Unternehmen mehr aussagt als jede Umsatzzahl. Es ist die Seite mit eurem Board, eurem Verwaltungsrat, eurem obersten Gremium. Wer dort landet, sucht keine Produktdetails. Er sucht die Koepfe, die am Ende geradestehen. Und genau dort passiert erstaunlich oft ein leiser Unfall.

Die Portraits stammen aus voellig verschiedenen Zeiten. Eines wirkt frisch und klar, ein anderes koernig und leicht vergilbt, als sei es aus einer Broschuere von vor zwoelf Jahren gescannt. Einer traegt die Krawattenbreite von damals, eine andere eine Frisur, die eine ganze Aera datiert. Zusammen ergibt das kein Gremium. Es ergibt eine Collage aus Fotoepochen, und diese Collage erzaehlt eine Geschichte, die ihr nie erzaehlen wolltet.

Das Auge liest Zeitschichten, ob ihr wollt oder nicht

Unser Blick ist erstaunlich gut darin, das Alter eines Fotos zu schaetzen, ohne dass wir es benennen koennten. Wir lesen die Koernung, den Weissabgleich, die Schaerfe, den Schnitt der Kleidung. All das verraet ungefaehr das Jahrzehnt. Wenn auf einer einzigen Seite Bilder aus mehreren Jahrzehnten nebeneinanderstehen, entsteht ein flackerndes Gefuehl von Ungleichzeitigkeit. Die Personen wirken, als saessen sie nie im selben Raum.

Bei einem Board ist das fatal, weil ein Board vor allem eines ausstrahlen soll. Einigkeit. Ein Gremium entscheidet gemeinsam, es traegt gemeinsam, es steht gemeinsam. Bilder aus verschiedenen Epochen unterlaufen genau diese Botschaft. Sie legen nahe, dass hier Menschen lose zusammengewuerfelt wurden, jeder aus seiner eigenen Zeit, ohne gemeinsamen Nenner. Der Eindruck von Zufall ist das Letzte, was ihr an dieser Stelle brauchen koennt.

Warum ausgerechnet oben so oft geschlampt wird

Die Ironie ist gross. Bei den einfachen Mitarbeitenden achten viele Firmen inzwischen auf einheitliche Portraits. Beim Board dagegen herrscht ein seltsamer Respekt vor dem Bestehenden. Man fasst die Bilder der wichtigen Leute ungern an. Ein Verwaltungsrat hat sein Foto vor Jahren geliefert und niemand traut sich, ihn um ein neues zu bitten. Also bleibt es stehen, und stehen, und stehen.

Dazu kommt, dass Boardmitglieder oft an mehreren Orten sitzen, in verschiedenen Firmen, verstreut ueber Laender. Ein gemeinsamer Fototermin gilt als organisatorisch unmoeglich. Also liefert jeder, was er gerade hat, meist ein altes Bild aus einem anderen Kontext. So entsteht die Fotoepochen-Collage nicht aus Nachlaessigkeit, sondern aus einer Mischung aus Ehrfurcht und Logistik. Das Ergebnis bleibt trotzdem schwach.

Was Investoren und Partner unbewusst mitlesen

Wer eine Boardseite anschaut, ist selten harmlos neugierig. Es sind Investoren, potenzielle Partner, Journalistinnen, Aufsichtsbehoerden, kluge Bewerber fuer Fuehrungsrollen. Menschen also, die es gewohnt sind, aus Details Schluesse zu ziehen. Genau diese Menschen lesen die uneinheitlichen Bilder als Signal. Ein Gremium, das sich nicht einmal auf einen gemeinsamen Bildstand einigt, wirkt weniger abgestimmt, als es sein sollte.

Ich habe erlebt, wie ein Unternehmen vor einer Finanzierungsrunde alles polierte, den Pitch, die Zahlen, die Website. Nur die Boardseite blieb ein Flickenteppich aus alten Portraits. Ein erfahrener Investor merkte spaeter beilaeufig an, das Board habe auf ihn zusammengewuerfelt gewirkt. Nicht die Personen, die kannte er als exzellent. Der Auftritt. Ein einziger Bildeindruck hatte einen Zweifel gesaet, den keine Zahl beabsichtigt hatte.

Aktualitaet ist bei Gremien auch eine Frage der Haftung

Es gibt einen Aspekt, den viele uebersehen. Ein Board traegt Verantwortung, und Verantwortung will aktuell dargestellt sein. Wenn dort noch jemand abgebildet ist, der das Gremium laengst verlassen hat, oder wenn ein Bild einen Menschen zeigt, der so nicht mehr aussieht, dann hinkt die Darstellung der Realitaet hinterher. Bei einem Gremium, das fuer Sorgfalt stehen soll, ist gerade diese Nachlaessigkeit besonders sichtbar.

Ein aktueller, gemeinsamer Bildstand signalisiert dagegen, dass die oberste Ebene ihren eigenen Auftritt im Griff hat. Wer sich um die Darstellung des Gremiums kuemmert, dem traut man auch zu, dass er sich um das Wesentliche kuemmert. Das Bild wird so zum stillen Beleg von Ordnung. Und Ordnung an der Spitze beruhigt jeden, der auf diese Spitze angewiesen ist.

Wie ihr eure Boardseite in eine Epoche holt

Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Legt die Portraits nebeneinander und fragt euch, ob sie aus derselben Zeit zu stammen scheinen. Achtet auf Koernung, Licht, Bildhoehe und Kleidungsstil. Alles, was erkennbar aus der Reihe faellt, gehoert erneuert, egal wie prominent die Person ist. Es lohnt sich, diese Bitte auch ranghohen Mitgliedern zuzumuten, denn der gemeinsame Auftritt nuetzt allen.

Der zweite Schritt ist, den scheinbar unmoeglichen gemeinsamen Nenner doch herzustellen. Genau hier lag lange die Huerde, weil verstreute Gremien nun einmal nicht gemeinsam ins Studio kommen. Diese Ausrede traegt heute nicht mehr. Es gibt moderne, studiofreie Wege, aus schlichten Selfies einheitliche Portraits zu erzeugen, mit gleichem Licht, gleichem Hintergrund und gleichem Anschnitt, ganz ohne dass jemand reisen oder Termine jonglieren muss. So bekommt selbst ein ueber Kontinente verteiltes Board endlich einen Auftritt aus einem Guss.

Am Ende ist die Boardseite kein Familienalbum. Sie ist die Visitenkarte eurer Verantwortung. Ein Gremium, das aus einer Epoche stammt, wirkt geschlossen, gegenwaertig und handlungsfaehig. Eines, das aus vielen Zeiten zusammengewuerfelt scheint, saet leise Zweifel an genau der Einigkeit, die es verkoerpern soll. Die Wahl zwischen beidem ist einfacher, als sie lange schien.