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Agenturen: Kreative Teamfotos ohne chaotischen Look

snaptosuit · 25. Juni 2026

Es gibt einen Widerspruch, den fast jede Agentur kennt. Ihr verkauft Kundinnen und Kunden jeden Tag Klarheit, Konsistenz und ein durchdachtes Erscheinungsbild. Ihr korrigiert deren Logos, vereinheitlicht deren Farben, kämpft für eine saubere Bildsprache. Und dann schaut jemand auf eure eigene Teamseite und findet dort das pure Gegenteil. Ein Art Director mit Schwarzweiss-Kunstporträt, daneben eine Texterin im Selfie vom letzten Sommerfest, ein Praktikant vor einer Backsteinwand mit Neonlicht, die Geschäftsführerin steif vor grauem Studiohintergrund. Kreativ soll das wirken. Es wirkt nur unentschieden.

Der Reflex vieler Agenturen ist, dass Einheitlichkeit langweilig sei und Persönlichkeit erstickt. Das stimmt aber nur, wenn man Einheitlichkeit mit Uniform verwechselt. Ein guter Rahmen killt die Persönlichkeit nicht, er lässt sie überhaupt erst zur Geltung kommen. Genau das erklärt ihr euren Kunden ständig. Bei euch selbst dürft ihr es auch glauben.

Warum ausgerechnet Kreative hier straucheln

In einer Agentur hat jeder eine Meinung zu Bildern, und das ist Fluch und Segen zugleich. Die Fotografin im Team will ihr eigenes Porträt natürlich selbst schiessen, mit ihrem Stil, ihrem Licht. Der Motion-Designer bastelt sich lieber etwas Verspieltes. Und weil niemand dem anderen reinreden mag, entsteht eine Seite, auf der zwölf Handschriften gegeneinander laufen. Jedes Bild für sich betrachtet ist vielleicht stark. Zusammen ergeben sie Lärm.

Dazu kommt die Angst, mit einem einheitlichen Look auszusehen wie eine Versicherung oder eine Kanzlei. Verständlich. Aber der Unterschied zwischen einer Kanzlei und euch liegt nicht darin, ob eure Bilder aufgeräumt sind. Er liegt in der Idee dahinter. Eine Anwaltskanzlei zeigt Seriosität, ihr zeigt Haltung, Humor, Kante. Diese Idee braucht einen gemeinsamen Boden, sonst geht sie im Durcheinander unter.

Setzt einen Rahmen, keine Zwangsjacke

Der Trick ist, eine Ebene festzunageln und die andere freizugeben. Legt zum Beispiel Licht, Hintergrund und Bildausschnitt fest, und lasst dafür Mimik, Haltung und Ausdruck komplett offen. Alle vor derselben Wand, im selben Licht, aber die eine verschränkt die Arme und schaut skeptisch, der nächste grinst breit, die Dritte blickt konzentriert an der Kamera vorbei. So bleibt jeder Charakter erkennbar, und trotzdem hält die Reihe zusammen.

Ihr könnt auch mit einer wiederkehrenden Idee spielen statt mit starrer Gleichheit. Ein gemeinsames Farbthema, das sich durch alle Bilder zieht. Ein durchgängiger Ausschnitt, immer dieselbe Distanz zur Kamera. Ein Requisit, das jeder anders in Szene setzt. Wichtig ist nur, dass es eine klare Konstante gibt, an der das Auge sich festhält. Ohne diese Konstante liest niemand die Vielfalt als Absicht, sondern als Schlamperei.

Und macht euch ehrlich, was Kunst ist und was ein Arbeitsporträt. Das künstlerische Schwarzweiss-Porträt der Fotografin ist grossartig, aber es gehört vielleicht in ihr eigenes Portfolio und nicht in die Teamreihe. Für die Agentur zählt das gemeinsame Bild. Diese Trennung fühlt sich anfangs streng an, sie nimmt aber enorm viel Reibung raus.

Der Auftritt entscheidet mit über den Pitch

Denkt daran, wo diese Bilder wirklich landen. Nicht nur auf der Über-uns-Seite, sondern in der Pitch-Deck, im Angebot, auf der Slide mit dem Projektteam. Genau dort steht ihr im direkten Vergleich zu zwei, drei Mitbewerbern. Wenn eure Teamslide aussieht wie zusammengewürfelt, untergrabt ihr genau das Versprechen, mit dem ihr den Etat gewinnen wollt. Ein Kunde, der euch Gestaltung anvertrauen soll, schaut sehr genau hin, ob ihr eure eigene Gestaltung im Griff habt.

Es ist fast schon ein Test. Die Teamseite ist das erste echte Arbeitsbeispiel, das ein Interessent von euch sieht, noch bevor ihr eine einzige Kampagne zeigt. Wer hier Kontrolle beweist, ohne steif zu wirken, hat die halbe Miete. Kreativität mit Disziplin, das ist genau die Mischung, für die ihr bezahlt werdet.

Wenn ihr den Look sauber halten wollt, ohne alle einzusammeln

Der ehrlichste Grund für Chaos ist oft schlicht der Aufwand. Ein gemeinsames Shooting mit dem ganzen Team zu organisieren, kostet einen halben Tag, an dem niemand billable arbeitet, und sobald jemand krank ist oder neu anfängt, fällt das Bild wieder aus der Reihe. Deshalb lohnt der Blick auf moderne, studiofreie Wege, mit denen aus vorhandenen Selfies ein einheitlicher, stimmiger Look entsteht, den ihr auch für Neuzugänge jederzeit nachziehen könnt.

Am Ende ist die Botschaft simpel. Ihr müsst nicht zwischen kreativ und ordentlich wählen. Ihr braucht nur den Mut, euch auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, und dann die Freiheit, innerhalb dieses Nenners Charakter zu zeigen. Das ist keine Einschränkung eurer Kreativität. Das ist Kreativität, die endlich ankommt.