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Forschungsinstitute: Expertise braucht ein Gesicht

snaptosuit · 11. April 2026

Ihr messt Wirkung in Zitationen, Impact-Faktoren und eingeworbenen Drittmitteln. Eine Publikation in einem renommierten Journal zählt, ein bewilligter Antrag zählt, ein Vortrag auf der grossen Fachkonferenz zählt. Das alles ist harte Währung, und ihr wisst genau, wie schwer sie verdient ist. Und dann gibt es diesen einen Ort, an dem sich all diese mühsam erarbeitete Autorität in nichts auflöst, ohne dass es jemandem auffällt. Eure eigene Institutsseite.

Da steht der Name einer Arbeitsgruppenleiterin, die seit zwanzig Jahren zu ihrem Thema forscht, daneben ein graues Platzhalterquadrat. Der Doktorand, der gerade einen viel beachteten Preprint veröffentlicht hat, taucht mit einem verwackelten Handyfoto vom letzten Sommerfest auf. Und die Emerita, deren Standardwerk in jedem Seminar liegt, ist überhaupt nicht abgebildet. Schauen wir uns einmal an, was das anrichtet, und zwar nüchtern, entlang der Grössen, in denen ihr ohnehin denkt. Sichtbarkeit, Vertrauen, Wettbewerb um Köpfe und Geld.

Wissenschaft lebt von Personen, nicht von Logos

Es gibt einen hartnäckigen Mythos in der Forschung, dass gute Arbeit für sich selbst spricht. Die Daten überzeugen, die Methode ist sauber, der Rest ist Beiwerk. In der reinen Fachwelt stimmt das sogar ein Stück weit. Aber sobald ihr das Institut nach aussen vertretet, gegenüber Geldgebern, Ministerien, Medien und künftigen Mitarbeitenden, verschiebt sich die Logik. Da entscheidet nicht allein die Qualität der Forschung, sondern auch, ob die Menschen dahinter greifbar werden.

Eine Förderorganisation, die über einen Antrag entscheidet, schaut sich das antragstellende Team an. Ein Journalist, der eine Einschätzung zu einem aktuellen Thema braucht, sucht ein Gesicht, das er zitieren und zeigen kann. Eine Nachwuchswissenschaftlerin, die überlegt, wo sie promovieren will, klickt sich durch die Arbeitsgruppen und fragt sich unbewusst, ob das ein Ort ist, an dem Menschen zählen. In all diesen Momenten wirkt ein leeres Platzhalterquadrat wie eine geschlossene Tür.

Das ist keine Eitelkeit. Es ist ein Wesenszug der Wissenschaft selbst. Erkenntnis entsteht in Köpfen, sie wird von Personen vertreten, verteidigt und weitergetragen. Ein Institut, das seine Köpfe nicht zeigt, versteckt genau das, was seinen Wert ausmacht. Und weil ihr im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Ressourcen steht, ist dieses Verstecken kein neutraler Zustand. Es ist ein Nachteil, den ihr euch selbst zufügt.

Der graue Platzhalter kostet Glaubwürdigkeit

Stellt euch die Situation eines Menschen vor, der eure Seite zum ersten Mal besucht, ohne euch zu kennen. Vielleicht ein Referatsleiter im Ministerium, der prüft, ob euer Institut als Partner für ein grösseres Vorhaben taugt. Er liest die Forschungsschwerpunkte, alles klingt solide. Dann geht er zur Teamübersicht, und dort empfängt ihn ein Flickenteppich. Ein paar professionelle Bilder, viele graue Kreise, dazwischen Aufnahmen in völlig unterschiedlicher Qualität, manche offensichtlich zehn Jahre alt.

Dieser Eindruck arbeitet sofort gegen euch, auch wenn niemand es ausspricht. Unbewusst liest er Uneinheitlichkeit als Zeichen von Unordnung, und Unordnung als Zeichen dafür, dass hier vielleicht auch anderes nicht sauber läuft. Das ist unfair gegenüber der exzellenten Arbeit, die dahintersteckt. Aber so funktioniert Wahrnehmung. Ein Auftritt, der aus dem Leim geht, sät Zweifel an Stellen, an denen ihr fachlich völlig unangreifbar seid.

Besonders bitter ist das im internationalen Vergleich. Wer sich die Seiten führender Institute im Ausland ansieht, findet dort meist durchgängig gepflegte Porträts, ein geschlossenes Bild, das Souveränität ausstrahlt. Wenn eure Seite daneben wirkt wie zufällig zusammengetragen, entsteht ein Gefälle, das mit der tatsächlichen Forschungsstärke nichts zu tun hat. Ihr verliert einen Vergleich, den ihr fachlich längst gewonnen habt, allein auf der Ebene des ersten Eindrucks.

Nachwuchs und Drittmittel schauen genau hin

Der Wettbewerb um kluge Köpfe ist heute härter als der um Publikationen. Eine begabte Postdoktorandin hat die Wahl zwischen mehreren Gruppen weltweit. Bevor sie sich bewirbt, recherchiert sie, mit wem sie es zu tun bekäme. Sie schaut sich die Menschen an, mit denen sie täglich arbeiten würde, und sie liest aus deren Darstellung heraus, ob dieses Institut auf seine Leute stolz ist. Ein Team, das sich sichtbar und würdig präsentiert, wirkt anziehend. Eine Wüste aus Platzhaltern wirkt, als sei man dort nur eine Personalnummer.

Bei den Drittmitteln ist es ähnlich, nur mit noch höherem Einsatz. In vielen Ausschreibungen zählt die Sichtbarkeit und Reputation des Teams ausdrücklich mit. Gutachterinnen und Gutachter bilden sich ein Urteil über die handelnden Personen, und dieses Urteil beginnt oft bei einem kurzen Blick auf die Onlinepräsenz. Ein Konsortium, dessen Beteiligte als geschlossene, professionell dargestellte Gruppe auftreten, wirkt schlagkräftiger als eines, bei dem die Hälfte der Köpfe gar nicht auffindbar ist.

Das heisst nicht, dass ein gutes Foto einen schwachen Antrag rettet. Aber bei zwei fachlich ebenbürtigen Anträgen entscheidet manchmal das Bauchgefühl, und dieses Bauchgefühl speist sich aus vielen kleinen Signalen. Die Präsenz der Köpfe ist eines davon, und es ist eines, das ihr vollständig in der Hand habt. Es wäre schade, ausgerechnet diesen leicht zu gewinnenden Punkt liegen zu lassen.

Warum die üblichen Lösungen im Institut scheitern

Ihr kennt den Grund, warum die Seite so aussieht, wie sie aussieht. Ein Institut ist ein ständiges Kommen und Gehen. Gastwissenschaftler bleiben ein halbes Jahr, Promovierende drei bis vier, Hilfskräfte wechseln jedes Semester. Für jede dieser Personen einen Fototermin zu organisieren ist praktisch unmöglich, zumal viele über Standorte und Länder verteilt sind oder im Feld arbeiten. Ein Sammelshooting einmal im Jahr erwischt immer nur einen Teil und ist am nächsten Tag schon wieder veraltet.

Deshalb greift die klassische Fotografenlösung strukturell zu kurz. Sie passt zu einer stabilen Belegschaft, aber nicht zu der Fluktuation, die für Forschung typisch und sogar gewollt ist. Ihr wollt schliesslich, dass Menschen kommen, Neues lernen und weiterziehen. Genau diese Beweglichkeit macht aber jeden terminbasierten Ansatz zunichte. Ein Prozess, der Vollständigkeit verlangt, kann in einem System, das von Wandel lebt, gar nicht gewinnen.

Wenn ihr das einmal so seht, verschwindet der Vorwurf an die eigene Organisation. Es liegt nicht an fehlender Sorgfalt, dass die Seite lückenhaft ist. Es liegt am Werkzeug, das ihr bisher benutzt habt. Und ein Werkzeug, das zur Natur eurer Einrichtung nicht passt, sollte man ersetzen und nicht mit noch mehr Terminkoordination am Leben halten. Inzwischen gibt es moderne, studiofreie Wege, aus einem einfachen Selfie ein einheitliches, würdiges Porträt zu machen, ohne dass jemand ins Studio reist. Ihr müsst das nicht heute entscheiden. Aber wenn ihr das nächste Mal einen grauen Kreis neben einem grossen Namen seht, denkt daran, wie viel Autorität dort ungenutzt verpufft.